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22. Dezember




Der Christbaum

Weihnachten, das Fest der Feste,
das Fest für Kinder und für Gäste.
Hektisch geht`s davor scho zu,
von Früah bis abends gibt`s koa Ruah.
A Hetz`n, Kaufa, Bacha, Messen
Bruada, do derfst nix vergessen.
Der Heilig Abend vor a paar Jahr
Zufällig grod a Sonntag war,
sagt d`Frau zum Mo, geh dua di schicka,
du muaßt jeatz no an Christbaam schmücka.
Der Vata is glei herganga
Und hat a`s herricht`n ogfanga:
An Baum auf d`richige Läng hergsägt,
an Christbaamstända eineg`steckt.
Na kemma Kugeln, Kerzen, Sterna,
as Kripperl mitsamt de Laterna,
auf d`Letzt, ja Donnerwetter
da fehlt auf amoi des Lametta.
Der Mo frogt d`Frau, du Weih geh amoi her,
hamma mir ebba koa Lametta mehr.
Da Muatta schlogt soglei as Gwiss`n,
s` oide hamma weggagschmissn,
Vergess´n hot`s a neichs zum kaufa.
Zum Ausleicha waar`s jetzt glei glaufa,
aba d`Nachbarn drunter und drüber
koana hot a Lametta über.
Und alle Gschäfta ham heit gschlossen
Bei de Kinder han glei de Tränen gflossen.
Da sogt der Vata zu der Mama,
jeatz geh zu, des is koa Drama.
Schmück ma an altdeutsch`n Baam,
da müaß ma koa Lametta ham.
Doch d`Frau und d`Kinder jammern glei,
Mir woll`n a Lametta, mei, o mei.
An Baam und koa Lamettaschimmer,
do gfoit uns as ganze Christfest nimma.
eatz überlegen`s a ganze Stund lang scho
Was gangat ois Lametta no?

Hoit, sagt der Vata, jeatz wird`s bessa!
Da han no zwoa Dos`n Hengstenberg Mildessa.
Do nehma hoit des Sauerkraut,
des wird jeatzad als Christbaamschmuck umbaut.
A so a Glück, jeatz fehlt nix mehr,
ge Weih, dua an Dosenöffner her!
An Deckel aufgschnie´tn, aufebogn,
d`Krautfaad`n oanzeln außazogn,
zum Tricken über`n Ofa ghängt,
schee aufpaßt, daß nix verbrennt.
Und jeatzad kimmt der Höhepunkt,
jeatz werd`s in Silberbronze tunkt.

De Krautfad`n strahlen im Silberkleid
Oh freue dich, du Christenheit.
Der Baam war wirklich schee wia nia,
a wengerl gschmeckt hat`s nach Chemie.
Grod d` Oma hat si gwundert, ja, ja, hat`s gsogt,
is des a technisches Jahrhundert.
A paar Dog drauf, san a no Festa,
da Sonntag war`s, da war Silvesta.
Hat d`Muata gsogt, heit kinnt`s eich gfreia,
haeit obends steigt d`Silvesterfeia.
D`Verwandtschaft hamma heit als Gäste,
da gibt`s von allem nur as Beste:
Weißwürscht, Bratwürscht, Sauerkraut!
Ach herrjeh, hat d`Muata gschaut,
des Kraut, des hängt am Baam no drom
und glänzt als wia`ra Silberchrom.
Vergessen hot`s a neichs zum kaffa,
zum ausleichn waar`s jeatz glaffa,
aba, d`Nachbarn drunter und drüber,
koana hat a Kraut mehr über.
Und alle Gschäfta ham heit gschloss`n,
Bruada, da ham`s gschaugt, ganz verdross´n.

Doch der Vata wird zum Retta,
hoit vom Baam glei des Lametta.
Mit Nitro und mit vui Bedacht
hot er des Silber owabracht,
hot as Kraut glei no gscheit gwassert,
vui Essig dro, so dass grod passert.
Na wird des Ganze gscheit erhitzt,
a wengerl hot`s no glänzt und blitzt.
Danach ham`s d`Würscht und s`Kraut auftrogn,
und d`Oma sogt: des muaß i fei scho sogn,
des Kraut hot heit an b´sondern Gschmack,
so richtig raß, grod wiar i`s mog.
Ois is zum guat`n end no kumma.
Auf`s letzt` ham alle Abschied g`numma.
De Tante Marie sogt sogar:
Schee war `s , grod wia alle Jahr.
Bloß oans, des wundert mi frei scho,
Sonst habt`s am Baam a Lametta dro.
Da reagiert der Vata gschickt:
Mir ham den Baam heia altdeitsch gschmückt.

Nickname 22.12.2006, 07.00

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Zufallsspruch:
Wenn das Wort, schärfer ist als ein Schwert, ist ein Satz, dann potenter als ein Heer? Und sind Seiten weiser Sätze dann gefahrvoller als entfeßeltes Atom? Wenn das Wort aber nur ein Schatten ist vom wahren Gefühl, ist das wahre Gefühl, dann nur ein Schatten einer ersten Idee? Fühlte sich die Idee ins Sein oder dachte sich das Sein ins Gefühl und schuf dabei das Wort, das stärker ist als ein Schwert?.

(C) Christa Schyboll


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